Ärzteschaft: Alkohol

Screening

Grundlagen für Früherkennung und Behandlung

Screening ist «...die vermutete Identifizierung einer unerkannten Erkrankung oder Störung durch die Anwendung von Tests, Untersuchungen oder anderen Prozeduren, die schnell durchgeführt werden können. Screening-Tests unterscheiden Personen, die wahrscheinlich eine Erkrankung haben, von Personen, die wahrscheinlich keine haben. Ein Screening-Test ist nicht dazu bestimmt, diagnostisch zu sein. Personen mit positivem oder auffälligen Befunden müssen an einen Arzt zur Diagnose und notwendigen Behandlung weiterverwiesen werden.» (Commission on Chronic Illness 1957, zit. in Rumpf 1999, 15)

Der Einsatz von Screening-Instrumenten dient der (Früh-)Erkennung und der Identifizierung eines möglichen problematischen, riskanten oder missbräuchlichen Alkoholkonsums oder einer Abhängigkeit. Die Resultate dienen als Grundlage für die Früherkennung und Frühintervention, für eine Kurzintervention, für weitere Abklärungen und/oder für die Zuweisung an ein weitergehende Behandlung und Beratung.

Die meisten Screening-Instrumente sind validiert für Menschen bis zum 65. oder 74. Lebensjahr. Gut geeignet für ältere Menschen sind SMAST-G, AUDIT und AUDIT-C (Singer et al. 2011). Einzig der SMAST-G wurde jedoch auf die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst Die Neuentwicklung oder Anpassung von Screening-Instrumenten für ältere Menschen erscheint unter dem Aspekt sinnvoll, dass es sich nicht nur um älter gewordene Alkoholabhängige handelt, sondern auch um Menschen, die erst im zunehmenden Alter eine Sucht entwickeln (siehe late-onset).

Short Michigan Alcoholism Screening Test – Geriatric Version

Beim SMAST-G handelt es sich um ein Instrument, welches auf der Basis des MAST als erster Test für ältere Menschen angepasst wurde. Er wird in der Praxis von Pflegefachpersonen angewendet. Studien belegen den häufigen Einsatz und den Nutzen für die Erkennung von problematischem Alkoholkonsum (Naegle 2008). Der Fragebogen ist zum Selbstausfüllen konzipiert und kann im PDF direkt ausgefüllt und gedruckt werden. Werden zwei oder mehr der Fragen mit «Ja» beantwortet, liegt vermutlich ein Alkoholproblem vor und es sollten Hilfe und Beratung angeboten werden.

Alcohol Use Disorders Identification Test

Der AUDIT (Babor et al. 2001; Saunders et al. 1993) ist ein auch in deutscher Version vorliegender Fragebogen für das Screening alkoholbezogener Störungen. Er wurde im Auftrag der WHO entwickelt und wird auch von ihr empfohlen. Der AUDIT ist das am besten evaluierte Screeninginstrument weltweit. Eine Untersuchung von Ryou et al. (2012) kam zum Schluss, dass es sich dabei um das wirksamste Tool handelt, um bei älteren männlichen Personen einen problematischen Alkoholkonsum zu identifizieren. Der Test fokussiert insbesondere auf die Identifizierung von Personen mit einem problematischen Alkoholkonsum. Von den zehn Items beziehen sich drei Fragen auf den Alkoholkonsum, drei auf eine Alkoholabhängigkeit und vier auf Alkoholmissbrauch. Der AUDIT ist auch bei der Migrationsbevölkerung durchwegs gut einsetzbar. Der Fragebogen kann online ausgefüllt und gedruckt werden.

Durchführung und Auswertung: Die Datenerhebung beruht auf Selbstaussagen der Betroffenen zu 10 Fragen. Die entsprechenden Antworten können mittels eines persönlichen Interviews erfasst werden. Der Fragebogen kann aber auch zum Ausfüllen abgegeben werden. Die Angaben zur Trinkmenge (Fragen 2 und 3) beziehen sich jeweils auf Standarddrinks, wobei die Autoren von 10 g Alkohol pro Standarddrink ausgehen (Babor et al. 2001). Die angegebenen Punktzahlen der einzelnen Fragen werden zur Gesamtpunktzahl addiert. Die minimale Punktzahl ist 0, die maximale 40. Eine Punktzahl von 8 oder mehr weist laut Testautoren (ebd.) auf einen problematischen Alkoholkonsum (Cut-Off-Point) hin mit Hinweisen auf eine Alkoholabhängigkeit. Bei Frauen und bei über 65-jährigen Männern empfehlen sie, den Cut-Off-Point bei 7 festzulegen. Um den geschlechtsspezifischen Unterschieden besser Rechnung zu tragen, wird in der Literatur bei Frauen oft sogar ein Grenzwert von 5 empfohlen.

Alcohol Use Disorders Identification Test-Consumption

Der AUDIT-C ist eine Kurzversion des AUDIT und besteht aus den ersten drei Fragen. Er ist nützlich für das Erkennen eines problematischen Alkoholkonsums und eignet sich insbesondere für den Einsatz im Rahme einer Kurzintervention. Der AUDIT-C ist auch bei der Migrationsbevölkerung durchwegs gut einsetzbar. Der Fragebogen kann online ausgefüllt und gedruckt werden.

  • Wie oft nehmen Sie alkoholische Getränke zu sich?
  • Wenn Sie alkoholische Getränke zu sich nehmen, wie viel trinken Sie dann typischerweise an einem Tag?
  • Wie oft trinken Sie 6 oder mehr Gläser Alkohol (= Standardgetränk) bei einer Gelegenheit?

Durchführung und Auswertung: Die Datenerhebung beruht auf Selbstaussagen der Betroffenen zu 10 Fragen. Die Antwortkategorien werden jeweils aufsteigend von 0 bis 4 gewertet. Der minimale AUDIT-C Summenwert liegt somit bei 0 und der maximale bei 12. Bei einem Gesamtpunktwert von 4 und mehr bei Männern und 3 bei Frauen ist der Test positiv im Sinn eines erhöhten Risikos für alkoholbezogene Störungen (problematischer oder abhängiger Alkoholkonsum) und spricht für die Notwendigkeit zu weiterem Handeln.

The Alcohol, Smoking and Substance Involvement Screening Test

Dieser Fragebogen wurde durch die WHO (2010) erarbeitet. Er dient zur Befragung zu Alkohol, Tabak und anderen Suchtmitteln. Der Test ist validiert für die erwachsene Bevölkerung (18 bis 60 Jahre) und eignet sich auch für den Einsatz bei Personen mit Migrationshintergrund. Der Fragebogen steht hier zur Verfügung.

Cut down, Annoyed, Guilty, Eye-opener

Der CAGE-Test ist im Rahmen der Anamnese zur Aufdeckung einer Alkoholabhängigkeit geeignet. Werden mehrere der vier folgenden Fragen vom Patienten mit «Ja» beantwortet, ist eine Alkoholabhängigkeit als wahrscheinlich anzunehmen. Der Fragebogen kann online ausgefüllt und gedruckt werden.

  • Hatten Sie jemals das Gefühl, Sie müssten Ihren Konsum an alkoholischen Getränken verringern? (Cut down)
  • Hat Ihr Umfeld schon einmal Bemerkungen über Ihren Alkoholkonsum gemacht? (Annoyed)
  • Hatten Sie schon einmal den Eindruck, dass Sie zu viel trinken? (Guilt)
  • Haben Sie schon einmal am Morgen Alkohol gebraucht, um in Form zu sein? (Eye opener)

Bemerkungen: Der CAGE-Test kann starke Irritationen, im Sinne von Verärgerungen und Schuldgefühlen auslösen. Männer reagieren in der Regel positiver auf den Test. Zur Erfassung eines problematischen Alkoholkonsums ist der AUDIT-C (siehe oben) besser geeignet. Im Alter steigt das Risiko, dass Personen eine der Fragen mit «Ja» beantworten, respektive es besteht das Risiko, ein «altes» Problem zu sehen, das gar nicht mehr existiert.

Quellen

  • Babor T, Higgins-Biddle J, Saunders J, Monteiro M. AUDIT. The Alcohol Use Disorders Identification Test. Guidelines for Use in Primary Care. 2nd Edition. Geneva: World Health Organization (WHO); 2001.
  • Naegle M. Screening for alcohol use and misuse in older adults: using the Short Michigan Alcoholism Screening Test - Geriatric Version. The American journal of nursing 2008; 108: 50-9.
  • Rumpf H. Entwicklung und Validierung eines ökonomischen Screening-Verfahrens zur Entdeckung von Alkoholabhängigkeit und -missbrauch in der medizinischen Basisversorgung. Kiel; 1999.
  • Saunders JB, Aasland OG, Babor TF, de la Fuente JR, Grant M. Development of the Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT): WHO Collaborative Project on Early Detection of Persons with Harmful Alcohol Consumption-II. Addiction 1993; 88(6): 791-804.
  • Singer M., Batra A, Mann K, (Hrsg.). Alkohol und Tabak. Grundlagen und Folgeerkrankungen. Stuttgart: Thieme; 2011.
  • World Health Organisation WHO. Brief Intervention. The Alcohol, Smoking and Substance Involvement Screening Test (ASSIST). Manual for use in primary care- Geneva: WHO; 2010.
  • Young IR, Jong SK, Jin GJ, Sung SK, Dong HC. Usefulness of Alcohol-screening Instruments in Detecting Problem Drinking among Elderly Male Drinkers. Korean J Fam Med 2012; 33(3): 126-133.

Informationen für Ärzteschaft

Rat und Hilfe

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