Ärzteschaft: Alkohol

Veränderungen im Alter

Die Verstoffwechselung des mit alkoholischen Getränken aufgenommenen Ethanols belastet in jedem Lebensalter insbesondere die Leber, das Gehirn und blutbildende Organe sowie das periphere neurologische System. Ältere Menschen reagieren jedoch aus physiologischen Gründen sensibler auf Alkohol. Da mit dem Älterwerden der Wasseranteil des Körpers abnimmt und der Alkohol somit in weniger Flüssigkeit verteilt wird, steigt der Blutalkoholgehalt bei gleichen Mengen stärker. Zudem braucht die Leber im Alter länger, um Alkohol abzubauen. Da der Alkohol somit stärker wirkt und zudem länger im Körper bleibt, kann selbst ein gewohnter Alkoholkonsum schneller zu körperlichen Schädigungen oder Unfällen führen, und bestimmte bestehende Erkrankungen können negativ beeinflusst werden.

Neben körperlichen Veränderungen und der Zunahme alterbedingter Erkrankungen führt insbesondere auch der Übergang ins Rentenalter zu einschneidenden Veränderungen in Bezug auf die gewohnten Tagesabläufe und das Sozialleben. Die Nichtbewältigung dieses Übergangs sowie im Alter gehäuft auftretende belastende Erfahrungen wie Krankheit, Armut, Verlust geliebter Personen und Einsamkeit sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer eines problematischen Alkoholkonsums und einer Abhängigkeit.

Erkennen von Alkoholproblemen

Oft werden Folgen des Alkoholmissbrauchs mit normalen altersbedingten Veränderungen verwechselt oder umgekehrt. Für das Erkennen von Alkoholproblemen bei älteren Menschen ist es unerlässlich, zwischen altersbedingten Veränderungen und alkoholbedingten Folgeschäden zu unterscheiden. Die folgende Aufstellung der typischen alkoholassoziierten Beschwerden bei über 60-Jährigen bietet Hinweise für das Erkennen von Alkoholproblemen; diese können gleichzeitig aber auch Symptome altersbedingter Veränderungen oder Erkrankungen sein (Blow/Barry 2002; Barry et al. 2001). Deshalb sind Screening und eine fundierte Diagnosestellung in jedem Fall notwendig.

  • Ängste, Depressionen und Stimmungsschwankungen
  • neu aufgetretene, verminderte Entschlussfreudigkeit
  • Schlafstörungen
  • Gedächtnisverlust; Orientierungsstörungen
  • Stürze, Prellungen und Verbrennungen
  • zu- oder abnehmende Toleranz für Medikamente
  • Kopfschmerzen
  • Epileptische Anfälle
  • Inkontinenz
  • Mangelernährung
  • nachlassende Hygiene
  • Familienprobleme; soziale Isolation
  • finanzielle Probleme

Quellen

  • Barry K, Oslin D, Blow F. Prevention and management of alcohol problems in older adults. New York: Springer Publishing; 2001.
  • Blow F, Barry, K. Use and misuse of alcohol among older women. Alcohol Res Health 2002; 26(4): 308–315.

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