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Alt gewordene, alkoholabhängige Menschen (early-onset drinkers)

Der Begriff early-onset wurde bislang in der wissenschaftlichen Literatur für Menschen verwendet, die frühzeitig, d.h. vor dem 25. Lebensjahr, eine Alkoholabhängigkeit entwickelten. Mit der Überalterung der Menschen und dem zunehmend im Alter erstmals auftretenden problematischen Alkoholkonsum, wurde der Begriff auch für eine meist polymorbide Patientengruppe angewendet, oft mit lang dauernder sozialer Desintegration, mit langer psychiatrischer und suchttherapeutischer Anamnese, gewissermassen für „alt gewordene“ Alkoholabhängige. Entzugskomplikationen in Form von Krampfanfällen oder deliranten Symptomen treten im Alter jenseits des 50. Lebensjahres gehäuft auf. Insgesamt stehen die therapeutischen Massnahmen unter dem Leitgedanken von Schadensbegrenzung, Erhaltung von Würde und Autonomie (zu early-onset vgl. auch Kutschke 2012).

Späte Problemmanifestation (late-onset drinkers)

Als late-onset Alkoholabhängige werden in der wissenschaftlichen Literatur Menschen mit einer spät einsetzenden Abhängigkeit bezeichnet. Diese Gruppe umfasst auch Betroffene mit einem sekundären oder symptomatischen Alkoholismus bei einer zugrunde liegenden somatischen oder psychiatrischen Erkrankung (z. B. Demenz oder Depression) oder bei einer zusätzlichen Abhängigkeitserkrankung, z. B. Medikamentenabhängigkeit. Die integrale Behandlung unter Berücksichtigung des Grundleidens hat hier Vorrang und ist i.d.R. eine suchtmedizinische-therapeutische Aufgabe.
Bei der späten Problemmanifestation scheinen lebenskritische Ereignisse eine grosse Rolle zu spielen. Deshalb sind die Betroffenen auch häufig sozial gut eingebunden, mit ausreichender psychischer Stabilität, was sich auf die Behandlungsprognose positiv auswirkt. Betroffen sind oft Frauen jenseits des 50. Lebensjahres, wobei repräsentative Prävalenzerhebungen noch ausstehen (zu late-onset vgl. auch Kutschke 2012).