Somatische Aspekte

Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C (HCV) und Hepatitis B (HBV) sind bei Menschen in einer Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) häufig (Dürsteler-MacFarland/Schmid/Vogel 2009). Aus diesem Grund sind Hepatitis- und HIV-Tests bei allen – auch älteren – OAT Patientinnen und Patienten angezeigt und gegebenenfalls deren Betreuung nötig.

Somatische Begleiterkrankungen werden im Alter zahlreicher. Typische Alterserkrankungen wie Osteoporose, Mangel- oder Fehlernährung, chronische Infektionskrankheiten, Leberversagen, Atem- und Herzkreislaufbeschwerden sowie kognitive Einschränkungen treten bei opioidabhängigen Menschen früher und häufiger auf als in der gleichaltrigen Allgemeinpopulation (BAG 2013; Medved et al. 2020). Aufgrund mangelnder ärztlicher Versorgung werden viele dieser Alterserkrankungen bei Menschen in einer OAT häufig erst spät bemerkt (Maruyama et al. 2013). Weitere Krankheiten, die oftmals in Verbindung mit einem höheren Lebensalter stehen und bei Menschen in einer OAT frühzeitig auftreten können, sind die folgenden (nicht abschliessend) (Dürsteler/Herdener/Vogel 2014; BAG 2013; Dürsteler/Vogel 2016; Praxis Suchtmedizin 2020; Maruyama et al. 2013):

  • Chronic Obstructive Pulmonary Disease COPD (und andere chronische Lungenkrankheiten)
  • Bluthochdruck
  • Kardiale Erkrankungen
  • Gangunsicherheit à Sturzrisiko à Frakturen
  • Osteoporose
  • Gelenkbeschwerden
  • Arthrose und Arthritis
  • Hypertonie
  • Chronische Infektionen (z. B. HIV, Hepatitis C)
  • Magengeschwüre bzw. Reizdarm
  • Leberzirrhose
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen

Während bei jüngeren Personen in OAT die Todesursache häufig in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von Opioiden steht (nämlich bei 50 %), beträgt der Anteil bei älteren Personen in OAT noch 25 %. Häufiger sind bei älteren Menschen in OAT Lebererkrankungen, Tumore, Erkrankungen der Lunge sowie Virushepatitis die direkte Todesursache (Beynon et al. 2010). Aus diesem Grund ist auch die altersgerechte Versorgung dieser Menschen zentral.

Quellen

  • Bundesamt für Gesundheit. Substitutionsgestützte Behandlungen bei Opioidabhängigkeit (Empfehlungen Revision 2013). Bern: BAG; 2013.
  • Beynon CM, McVeigh J, Hurst A, Marr A. Older and sicker: changing mortality of drug users in treatment in the North West of England. International Journal of Drug Policy 2010; 21: 429-431.
  • Dürsteler-MacFarland KM, Herdener M, Vogel M. Probleme älterer Patienten in Substitutionsbehandlung. Suchttherapie 2014; 3: 113-117.
  • Dürsteler-MacFarland KM, Vogel M. Opioidsubstitution im Alter: ein Update. SuchtMagazin 2016; 5: 18-21.
  • Maruyama A, Macdonald S, Borycki E, Zhao J. Hypertension, chronic obstructive pulmonary disease, diabetes and depression among older methadone maintenance patients in British Columbia. Drug and Alcohol Review 2013; 32(4): 412-418.
  • Medved D, Clausen T, Bukten A, Bjørnestad R, Muller AE. Large and non-specific somatic disease burdens among ageing, long-term opioid maintenance treatment patients. Substance Abuse Treatment, Prevention, and Policy 2020; 15: 87.
  • Praxis Suchtmedizin. Webseite. Höheres Lebensalter und Konsum von psychotropen Substanzen. https://www.praxis-suchtmedizin.ch/praxis-suchtmedizin/index.php/de/heroin/hoeheres-lebensalter, Zugriff 30.05.2022.

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